Ein Spaziergang in die Vergangenheit

Einen Spaziergang in vergangene Zeiten zu unternehmen, sich ein Bild davon zu machen, wie die Arbeit im Handwerk, in der Landwirtschaft und im Haushalt dereinst vonstattenging, diese Möglichkeit bot sich jetzt im Siegener Stadtteil Langenholdinghausen. Zwar lohnt sich ein Gang durch Langenholdinghausen allein schon wegen seines ansprechenden, von viel „Fachwerk“ geprägten Ortsbildes. Doch diesmal mussten die Besucher nicht vor den Häusern stehenbleiben, an einem „Abend der offenen Tür“ galt es einzutreten in die bis zum heutigen Tage erhalten gebliebenen historischen Werkstätten und Einblick zu nehmen in historische Sammlungen und technische Einrichtungen.

Ob nun in der im Haus von „Schusdersch“ eingerichteten Schuhmacherstube die Entstehung des „handgemachten“ Schuhwerks anschaulich erläutert wurde, ob sich in der Stellmacherei von „Neuhüser“ die Fertigung hölzerner Wagenräder mit der fast 100 Jahre alten „Radmaschine“ nachvollziehen ließ oder in der alten, vom Rauch geschwärzten Dorfschmiede von „Näfs“ Amboss und Esse ein anschauliches Bild von der Arbeit des einstigen Dorfschmiedes vermittelten, überall erschloss sich der Ort den Besuchern von einer für viele bisher noch unbekannten Seite, ganz unspektakulär, aber in einer authentischen Atmosphäre. In „Roenstatts“ Scheune erwartete die Besucher eine umfangreiche Sammlung landwirtschaftlicher und hauswirtschaftlicher Geräte und Maschinen aus der Zeit um 1850 bis 1960, darunter Gerätschaften zur Feldbestellung und Ernte, die früher verwendeten Transportmittel und Hebezeuge, Wagen und Dreschmaschinen, dazu – im Dachgeschoss – eine schier unendliche Zahl von Gegenständen aus dem Haushalt, vom Kochgeschirr über die Wäschepflege bis hin zum Spielzeug der Kinder. „Franzes“ Scheune vermittelte ein anschauliches Bild von der Arbeit auf einem kleineren landwirtschaftlichen Betrieb in den 1950er Jahren: Alle bis dahin in Gebrauch gewesenen Werkzeuge und Geräte – vom Lohschäler bis zur stationären Dreschmaschine - sind vorhanden. Im alten Spritzenhaus von 1911 präsentierte die örtliche Feuerwehr ihre Sammlung Gerätschaften zur Brandbekämpfung und zum Rettungswesen vergangener Tage, darunter ein lederner Feuerlöscheimer aus dem Jahre 1812 und die erste Motorspritze der Wehr aus dem Jahre 1943. An „Villäps“ Weiher war zu erfahren, wie es gelungen war, das 1908 gebaute Wasserrad und die für seinen Betrieb erforderliche Teichanlage als einmaliges technisches Kulturdenkmal wiederherzustellen, es zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Und im Backes am „Zinnwald“ wurde den Besuchern die Funktion des Steinofens erläutert, mit dem die Tradition des handwerklichen Brotbackens seit 1998 neu belebt wurde. Ausgelegte Lagepläne und an den Straßen aufgestellte Hinweisschilder wiesen den Weg zu den „sehenswerten Orten“, darunter auch die beiden vormals keppelischen Lehnshöfe vom „Kolwe“ und „Gisselersch“ an der Holdinghauser Straße. Seit dem Jahr 12177 nachweisbar, repräsentieren sie fast 750 Jahre Dorfgeschichte.

Auf ihrem räumlich und zeitlich „selbstbestimmten Gang“ durch den Ort widmeten viele Besucher ihre Aufmerksamkeit den Schautafeln, auf denen in Wort und Bild die Geschichte der Werkstätten, Häuser und Sammlungen beschrieben war. Je nach Interessenlage ausführlich studiert wurden auch die Schilder, die über den Zweck, das Alter und die Herkunft der ausgestellten Maschinen und Fahrzeuge informierten.

„Wir hätten nie geglaubt, was es hier so alles gibt“ oder „durch den Ort zu gehen, das ist ja wie im Urlaub“ – solche oder ähnliche Aussagen waren seitens der Besucher immer wieder zu hören. An diesem Abend war in Langenholdinghausen niemand unterwegs, weil er ansonsten Langeweile gehabt hätte, stattdessen bewiesen die zahlreich gestellten Fragen das Interesse der Besucher an den Einrichtungen und ausgestellten Exponaten. Über die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen hinaus wohnte der Veranstaltung aber auch viel „Verbindendes“ inne – das zeigten die zahlreichen Gespräche der Besucher untereinander. Dazu boten nicht allein die Werkstätten und Ausstellungen gute Gelegenheit, sondern auch die im Ort verteilten Angebote zu einem kleinen Imbiss. Hier gab es die Wahl zwischen gegrillter Bratwurst, süßen Waffeln – frisch aus dem Eisen – Snacks, allerlei Gebäck und „Siegerländer Riewekooche“ mit Butter.

Initiiert und organisiert hatte den „Abend der offenen Türen“ der Verein Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte, unterstützt wurde er dabei von den Eigentümern der Werkstätten und Häuser, den Frauen der Evang. Frauenhilfe und der Mittwochgruppe des Turnvereins, Mitgliedern des Heimatvereis und den Alterskameraden der örtlichen Feuerwehr.

„Wir hätten uns über jeden gefreut, der zu uns kommt, mit einem solchen Zuspruch auf unsere Einladung, mit Hunderten von Besuchern, hatten wir jedoch nicht gerechnet. Das macht uns Mut.“ – so Max Pfennig vom Arbeitskreis. Und Annemarie Gieseler ergänzt: „Die Veranstaltung und zahlreiche Reaktionen der Besucher beweisen, dass sowohl unsere einzigartigen kultur-historischen Einrichtungen als auch die besondere, im Ortsbild begründete Atmosphäre unseres Dorfes Aufmerksamkeit erzeugen und Beachtung verdienen“.

Auch wenn der Bezug der Menschen zur Geschichte ihrer unmittelbaren Umgebung, ihrem Dorf, nachlässt, das Wissen um lokale Besonderheiten und Arbeits- und Lebensumstände uns vorausgegangener Generation im Schwinden begriffen ist: Mit Veranstaltungen wie dieser kann diesem Prozess zumindest entgegengewirkt werden. Dem Ziel, die im Dorf vorhandenen „kulturhistorische Kostbarkeiten“ in den Blick des Betrachters zu rücken, das Interesse daran zu wecken und sie zu erhalten, wurde die Veranstaltung in vollem Umfang gerecht.

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Anschrift

Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte Langenholdinghausen
Holdinghauser Str. 55a
57078 Siegen